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Wenn Förderbedarf auf Hochbegabung trifft

Geschätzte Lesezeit: 3-4 Minuten
Förderbedürftige und Hochbegabte gemeinsam Unterrichten. und
Mrz
30
2016

Förderbedürftige und Hochbegabte gemeinsam Unterrichten; Foto: Olesia Bilkei - Fotolia

Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung in allgemeinen Schulen gemeinsam zu unterrichten ist eine Chance, unsere Gesellschaft toleranter und offener zu machen. Beispiele an Inklusionsschulen haben gezeigt, dass es möglich ist, eine Balance zwischen den unterschiedlichen Interessen der Kinder an den Schulen, ihren Eltern und den Lehrkräften zu finden. Aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Gleiche Chancen für alle

Gesunde und behinderte, begabte und entwicklungsverzögerte, ruhige und verhaltensauffällige Kinder haben den gleichen Anspruch auf eine angemessene Bildung. In Inklusionsschulen wird diesen Schülern in einer Klasse gemeinsam Unterricht erteilt. Schüler mit und ohne Förderbedarf erarbeiten entweder gemeinsam ein Thema oder beschäftigen sich mit einem abgestuften Arbeitsplan. Mit offenen Lernformen und einer außergewöhnlichen Binnendifferenzierung werden im Unterricht je nach Lernvoraussetzung individuelle Förderprogramme angeboten. In diesem täglichen Miteinander als Gemeinschaft lernen die Schüler sich gegenseitig zu akzeptieren und ein Gespür für einander zu entwickeln. Eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten in Teams sollen so von Beginn an gefördert werden.

Inklusion ist eine Teamaufgabe

Inklusion kann angesichts der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen nur funktionieren, wenn ausreichend geeignetes Personal zur Verfügung steht und die Räumlichkeiten stimmen. An bereits bewährten Schulen verfügen die Klassen über ein zweites oder drittes Zimmer. Neben dem Lehrer stehen Sonderpädagogen und Schulsozialarbeiter zur Verfügung. Das macht selbstständiges Arbeiten in Gruppen erst möglich. Während der Fachlehrer den einzelnen Gruppen Hilfestellungen gibt, kümmern sich Erzieher um die Kinder mit Förderbedarf. Mit idealem Personal gelingt es so, eine heterogene Gruppe von schwierigen, mittleren und hochbegabten Schülerinnen und Schülern gemeinsam in einer Klasse zu unterrichten.

Willkommen in der Realität

Während bisher die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf speziellen Schulen in Klassengrößen mit zehn bis fünfzehn Schülern unterrichtet wurden, liegt die Klassenstärke in Inklusionsklassen meist bei zwanzig bis fünfundzwanzig. Förderschüler wurden früher durch eigens dafür ausgebildete Fachkräfte unterrichtet. In Inklusionsklassen werden sie von Lehrkräften unterrichtet, die sich bestenfalls durch Fortbildungsmaßnahmen weitergebildet haben. Eltern und Lehrer beklagen, dass ein Großteil der Unterrichtsstunden nur durch eine Lehrkraft abgedeckt wird, weil eine zweite Lehrkraft häufig nicht zur Verfügung steht. Viele Schulträger müssen diese behelfsmäßigen Wege einschlagen, weil einfach die finanziellen Mittel fehlen. In vielen Klassen ist das Leistungsniveau seit der Inklusion gesunken, weil eine Lehrkraft überfordert ist, wenn der Unterricht zugleich nach den Begabtesten und den Unbegabtesten ausgerichtet werden soll. Es müsste laufend differenziert werden und für jeden einzelnen Schüler ein maßgeschneiderter Plan vorliegen. Das ist bei solchen Klassengrößen nicht zu leisten. Letztlich erreicht das Lernniveau einen Durchschnitt, der die Talentierten unterfordert und die Schwachen überfordert.

Grenzen der Inklusion

Eltern von Kindern mit besonderem Förderbedarf drängen darauf, dass ihre Kinder allgemeinbildende Schulen besuchen dürfen, weil sie nicht aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden sollen und einen bestmöglichen Abschluss erreichen sollen. Die Lernbedingungen an allgemeinen Schulen sind allerdings nicht immer ideal. Ein Kind mit Konzentrationsproblemen, einem Sprach — oder Hörfehler wird in einem Klassenzimmer mit fünfundzwanzig Schülern ohne spezielle Dämmung der Wände schlechtere Lernbedingungen vorfinden als an einer Förderschule. Die speziell ausgebildeten Förderlehrer stehen dort nur stundenweise zur Verfügung. Klassenlehrer und Fachlehrer sind überfordert, weil sie geringe Kenntnisse bei der Unterstützung behinderter Kinder haben. Auch eine einwandfreie therapeutische Versorgung ist hier nicht möglich. Das Umfeld mit den Gleichaltrigen kann für einen lernbehinderten Schüler frustrierend sein, wenn er sich ausgegrenzt fühlt, ihm Desinteresse entgegengebracht wird oder er an den täglichen Leistungsanforderungen zu scheitern droht. Für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf gibt es an Inklusionsschulen keine klaren Bildungsziele, denn die müssten für jeden Jahrgang, jedes Fach und jedes Kind individuell vereinbart werden. Während die Klassenameraden bereits den Dreisatz beherrschen, werden von einigen unter ihnen Dinge erwartet, die sie niemals im Leben schaffen werden. Für sie wäre es vielleicht schon ein Erfolg, einen einfachen Text zu verstehen oder alleine in einem Bus fahren zu können.

Der vorschnellen Einführung des Turbo-Abiturs ist jetzt eine schlecht vorbereitete Reform der Förderschulen gefolgt. Inklusion ist ein Prozess. Er kann nur zum Erfolg führen, wenn der finanzielle Hintergrund stimmt und ein speziell geschultes Team von Lehrern und Sonderpädagogen zur Verfügung steht. Nur ein ausgeklügeltes Konzept wird auf Dauer Erfolg haben. Denn Schule muss so verfasst sein, dass sie für die Bedürfnisse aller Lösungen anbietet. Davon sind die meisten Inklusionsschulen noch meilenweit entfernt.

Weiterführende Quellen zu diesem Thema:
  1. zeit.de: Inklusion: Warum bekommt der so viele Extras?
  2. morgenweb.de: „Das macht 9,99 Euro“ — Mathe in einer Inklusionsklasse

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