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Lehrer

20 Jahre Rechtschreibreform — und (k)ein bisschen weise

Geschätzte Lesezeit: 2-3 Minuten
Schule ist doof
Jul
11
2016

Vor 20 Jahren, am 1. Juli 1996, verpflichteten sich Deutschland, Österreich und die Schweiz in der Wiener Absichtserklärung zur Neuregelung der Rechtschreibung. Die Rechtschreibung sollte einfacher werden. Sie wurde stattdessen verzwickter. Nach heftigem Streit wurde die Reform 2006 teilweise zurückgenommen – das sorgte für reichlich Chaos.

Aufwendige Reformgedanken

Bereits die ersten Anregungen von 1988 stießen auf große Empörung. Sprachexperten schlugen vor, das „a“ des Kaisers nach mittelhochdeutscher Art durch ein „e“ zu substituieren, dem Boot das zweite „o“ zu entwenden und die allgemeine Kleinschreibung einzuführen. Die neue Orthografie sollte vor allem Schulen und Behörden übergestülpt werden. Der Großteil der Gesellschaft werde sich wohl oder übel den neuen Rechtschreibregeln anpassen müssen – so hoffte man. Nach Einführung der neuen Rechtschreibung probten Verfechter der alten Rechtschreibung den unvermeidlichen Aufstand. Lehrer waren didaktisch nicht auf die Reform vorbereitet, und an den Schulen gab es keine überarbeiteten Lehrwerke. Zehn Jahre später wurde die Rechtschreibreform reformiert und auf ein vernünftiges Maß reduziert. Gefreut haben sich Verleger und Buchhändler über den profitablen Wandel. Für die Deutschlehrer war es blanker Stress.

Was ist geblieben?

Geblieben sind weniger Kommaregeln, das Eszett wurde reduziert, dafür wurden drei Vokale hintereinander akzeptiert und unzählige Wörter getrennt geschrieben. Die Silbentrennung entpuppte sich als sinnvoll, die Orthographie wurde zur Orthografie und verlor an Potential oder gewann an Potenzial. Darüber lässt sich streiten. Der Duden lässt jedenfalls beide Schreibweisen zu. Seit 2007 müssen sich Schüler und Lehrer ausnahmslos an die neue Rechtschreibung halten. Die moderne Regelung hat für viel Verwirrung gesorgt. Zum Glück können Autokorrekturprogramme der Computer da echte Abhilfe schaffen. Mittlerweile ist eine variantenreiche Rechtschreibung entstanden. Denn sie bedient sich großzügigeren Regeln.

Weniger Ausnahmeregeln

Das „ß“ steht nur noch nach langen Vokalen oder einem Doppellaut wie „ei“. Das daß wurde in dass umbenannt. Des Weiteren bekommt der vertraute Kuß ein Doppel-s, sodass – oder auch so dass – er nicht zu kurz kommt, weil er bereits ein kurzes „u“ besitzt. Es darf getrost das „s“ vom „t“ separiert werden, warum auch nicht? Das ist doch Ja-cke wie Wes-te. Es wäre eine Ka-ta-s-t-ro-phe gewesen, sie anno dazumal nicht wie Jak-ke oder We-ste zu trennen. Auch wenn die Sprache schnelllebig ist, ist es konsequent, die Brennnessel, die Schifffahrt oder die Kaffeeernte neuerdings mit drei aufeinanderfolgenden Konsonanten/Vokalen auszustatten. Aus graph, phon und phot wurde graf, fon und fot. Der Fotograf und das Mikrofon können demzufolge auf das „h“ verzichten. Auch Spagetti, Jogurt und die Majonäse dürfen neben Tunfisch und Panter geschrieben wie sie gesprochen werden. Das ist nicht substanziell, aber offensichtlich ein neues Potenzial der modernen Rechtschreibung.

Das Varietee der Sprache geht weiter.

Schwieriger wird es beim Getrennt- und Zusammenschreiben. Zwei Verben dürfen immer getrennt geschrieben werden. Die substantivierte Verbindung jedoch nicht. „Wollen wir also spazieren gehen oder bereitet dir das Spazierengehen Probleme?“. „Wir könnten stattdessen Rad fahren oder eislaufen, wenn wir nicht Schlange stehen müssen“. „Er möchte gerne mit mir zusammen sein, aber das Zusammensein bereitet mir Komplikationen. „Wir haben uns heute Mittag erst kennengelernt oder habe ich ihn vor Kurzem kennen gelernt?“ Wird es uns am Ende leidtun, wenn wir selbständig bzw. selbstständig entscheiden, welche Schreibvariante wir benutzen? Der Duden empfiehlt beides. Ob seit kurzem oder seit Kurzem, aufgrund, mithilfe und anhand bleibt uns bis auf weiteres oder bis auf Weiteres ein Potpourri alternativer Schreibweisen.Fehlerfreies Schreiben ist eine wichtige Schlüsselqualifikation für das Berufs- und Privatleben. Denn Rechtschreibung ist nach wie vor ein Zeichen für humanistische Bildung. Die reformierte Rechtschreibung hat wenig zur Vereinfachung beigetragen. Sie hat ein paar Schreibvarianten ins Spiel gebracht. Bildungsbarrieren hat sie nicht abgebaut. Wesentlich einfacher, logischer und verständlicher ist das Schreiben auch nicht geworden. Die Reformen haben den Deutschlehrern das Leben zur Hölle gemacht und die Buchindustrie angekurbelt. Raue Zeiten haben wir durchlebt, Spaß (österreichisch auch Spass) gemacht hat es den wenigsten – oder auch den Wenigsten. Trotz vieler Pro-und-Kontra-Diskussionen wird uns die richtige Orthografie nach wie vor schwerfallen. Kein Wunder, dass das Beuteltier aus Australien nicht mehr ins Kreuzworträtsel passt. Ihm wurde erwartungsgemäß der letzte Buchstabe genommen.
Weiterführende Quellen zu diesem Thema:
  1. www.duden.de Crashkurs: In 25 Schritten zur neuen Rechtschreibung
  2. www.t-online.de: 20 Jahre neue Rechtschreibung-wissen Sie Bescheid?

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